Bali – Borneo

26.7. – 10.8.2011

In den letzten Tagen in Lovina putzten wir das Unterwasserschiff der „Sunrise“ mal wieder. Es haben sich inzwischen viele kleine Tierchen angesetzt. Weil unsere Fahrt sich aber durch diese verlangsamt, entledigten wir uns dieser und auch innen versuchten wir eine erneute Entschimmelungskur. Als Belohnung nach getaner Arbeit ging ich Shoppen und mich von einer Balinesischen Massage verwöhnen. Simon blieb an Board und widmete sich dem Computer…

Mit indonesischer Pünktlichkeit gingen wir am vereinbarten Tag wieder in die „Imigrasi“ um unsere Visum-Verlängerung abzuholen. Nach dem Zahlen sagte man uns, wir können in drei Tagen wieder kommen, dann sei der Stempel im Pass und das Visum gültig. Das kann ja nicht im Ernst drei ganze Tage dauern, zumal uns gesagt wurde, wir bekommen heute das beantragte Visum. Ein bisschen Lächeln und betonen, dass wir heute unbedingt das Visum brauchen, denn wir verlassen Morgen Bali, und schon durften wir drei Stunden später wieder antanzen und tatsächlich den Pass mit gültigem Visum und ohne zusätzliches schieben von Noten entgegennehmen :-)

In den drei Stunden besuchten wir den hiesigen Markt, den wir von unserem Kochkurs her bereits kannten und kauften frisches Gemüse und einen kleinen Mörser für die balinesische Küche auf der „Sunrise“. Mit dem neuen Visum in den Händen machten wir uns auf den Rückweg und organisierten noch kurz über 100L Trinkwasser, damit wir am nächsten Tag Richtung Borneo loslegen können. Am Abend verköstigten wir uns mit Simons selbstgemachten Frühlingsrollen!!! An der Peanut Sauce müssen wir noch ein Wenig arbeiten, aber die gebratenen Nudeln (Mie Goreng) mit Sweet and Sour Sauce waren herrlich, wie von einer Einheimischen gemacht :-)

Mit einem Nachtschlag segelten wir zur Kangean Island. Mitten in der Nacht schwammen plötzlich kleine leuchtende „Torbedo-Delphine“ neben uns! Wegen dem Leuchtplankton hinterliessen sie im Wasser helle Spuren, die uns für eine kurze Zeit ins Staunen versetzten. In einer grossen von den Wellen geschützten Bucht liessen wir den Anker ab. Mit schönem stetigem Wind segelten wir am nächsten Tag bereits weiter zur Bawean Island, wo wir den 1. August mit Feuerwerk feierten. Der Zufall wollte es nämlich, dass der Fastenmonat Ramadan der Muslime in diesem Jahr am 1. August begann und deshalb, ob gross oder kleine, in fast allen Dörfern werden Feuerweckskörper in die Höhe geschossen. Wir feiern somit in diesem Jahr nicht nur den 1. August, sondern den ganzen Monat August mit Feuerwerken :-)

Dann hatte ich bereits mein erstes telefonisches Interview mit einer Stellenvermittlung. Ihr seht, wir planen unsere Heimkehr bereits von der Ferne. Weil die meisten Stellen per sofort ausgeschrieben sind, haben wir noch nichts Konkretes. So eilig ist es ja auch (noch) nicht :-)

Mitten in der Nacht machten wir uns dann auf die Überfahrt nach Borneo, um bei Licht in den Fluss von Kumai einlaufen zu können und die 10sm bis vor die Stadt zu navigieren. Mit 3m oder mehr Wasser unter dem Kiel meisterten wir die Strecke ohne Probleme. Das Anstrengende war dann aber das Organisieren der Orang Utan-Tour im hiesigen Tanjung Puting National Park. Lediglich Mr. Bain kam zu unserer „Sunrise“ und wollte mit seinem schlecht verständlichen indonesischen Englisch eine überteuerte 3-Tages-Tour verkaufen. Weil wir den Preis von anderen Yachties kannten telefonierten wir noch herum, denn im Lonely Planet und unserem Cruising Guide waren Nummern vermerkt. Weil nun Hochsaison sei, ist alles ausgebucht und weder Herry noch Harry konnte uns weiterhelfen. Wir entschlossen uns an Land zu gehen und uns dort umzuschauen, vielleicht lässt sich ja doch was finden. Leider ist Kumai eine Industriestadt mit vielen riesigen Frachtschiffen. Neben den riesigen Kolossen im Fluss zu ankern ist ja interessant, aber die Rauchwolke jeden Nachmittag von der Verbrennung ist eklig. Die Stadt selber ist mit Ambon zu vergleichen, nicht ganz so schmutzig aber hektisch und der Markt ein Chaos mit netten Leuten die immer Lachen und nicht rechnen können, trotz Taschenrechner. Den Preis von einem Ei verstanden wir sogar auf Indonesisch, aber 20 Eier kosten dann mehr als wenn ich die Eier einzeln kaufen würde! Von Mengenrabatt keine Spur :-)

Das einzige aufzufindende Büro das Touren für den NP anbot war genau neben dem Restaurant von Mr. Bain und geschlossen. Als wir dann Mr. Bain selber auch noch auf dem Weg zum Markt begegneten, entschlossen wir mit ihm nochmals um den Preis zu dealen und buchten schlussendlich bei ihm eine 2-Tages-Tour. Als er dann aber eine Stunde später mit dem Speed Boat zur „Sunrise“ kam, sagte er die Tour ab, weil scheinbar sein Klotok (einheimisches Boot) von der letzten Tour nicht zeitig zurück sein wird. Wir vermuteten eher, dass er kein freies Klotok mehr hat und auch keines in den letzten zwei Stunden auftreiben konnte. Er gab uns das angezahlte Geld zwar ohne murren zurück, aber nun standen wir ohne Klotok da. Am nächsten Tag telefonierten wir nochmals mit dem Harry. Auch am Montag habe er kein Klotok, aber vielleicht Mr. Majid. Mit neuer Hoffnung kontaktierten wir diesen. Um alles kurz zu machen, schlussendlich fuhren wir mit einer Stunde Verspätung los, denn scheinbar krachte ein Frachter in „unser“ Klotok und ein Ersatz, wurde besorgt durch das „Canceln“ einer anderen Tour.

Mit drei Jungs, einer war der Guide, Koch und Kapitän und die anderen Beiden seine „Helfer“, fuhren wir den Sekonyer River entlang. Am Eingang begrüsste uns ein riesiges Plakat mit dem Orang Utan Männchen „Tom“. Bereits auf dem Weg sahen wir dann aber mehrere echte wilde Orang Utans in den Baumwipfeln!!! Mit immer geübteren Augen erspähten wir dann auch die ersten Proboscis Monkey (Nasalis larvatus) mit ihren langen roten Nasen. Die sassen mit Vorliebe auf den Pandanus Bäumen in meist grösseren Gruppen. Vereinzelt sahen wir auch die Silvered Langur (Presbytis cristata) mit grauem Fell und immer wieder einen King Fisher mit seinen knall blauen Federn. Die Landschaft veränderte sich merklich. Zu Beginn noch viele Nipah, palmenähnliche Pflanze, die im Wasser stehen; dann wurde der Fluss enger und zunehmend beherrschte die Pandanus die Uferzone. Wir versuchten in diesem schlammigen Wasser Krokodile zu finden. Wir hofften auf eines der grossen Salzwasserkrokodile (Crocoduylus porosus) aber fanden lediglich die kleinen False Ghavial (Tomistroma schlegelii) mit ihren sehr langen, schmalen Schnauzen.

Als wir bei unserer ersten Fütterungsstation dem Camp Leakey ankamen, war das Bananaboot bereits vor Ort. Es bringt täglich die Leckereien für die ausgewilderten Orang Utans um deren Diät aufzupeppen. Auch Medikamente könnten bei diesen Fütterungen, falls nötig, verabreicht werden. Seit 1972 sind um die 400 Orang Utans gepflegt und hier schlussendlich ausgewildert worden. Zur Zeit sind keine Orang Utans mehr in Aufzucht. Bei der täglichen Fütterung kommen nur die ausgewilderten, an den Menschen gewöhnten Orang Utans. Ihre ca. 4000 wilden Verwandten suchen ihr Futter selber. Das Problem des Überlebens der Orang Utans in der Wildnis ist nicht etwa eine Futterknappheit, sondern die Zerstörung ihrer Wälder und somit ihrer Lebensgrundlage.

Wir wurden von dem Orang Utanweibchen „Gara“ bereits am Steg empfangen und „Aria“ posierte auf dem Willkommensschild. Als wir dann beim Fresspodium ankamen, verköstigte sich „Bonorogo“ gerade mit Litchi-ähnlichen Früchten. Er ist trotz seiner kräftig gebauten und imposanten Postur nicht das dominante Orang Utan Männchen. Als er dann Platz machte, kletterte Rani mit ihrem Baby auf den Futterplatz. Mit bereits vielen Photos machten wir uns nach ausgiebiger Beobachtung der faszinierenden Tiere auf den Rückweg.

Auf dem Weg besuchten wir kurz das Visitor Center. Es ist sehr klein und viel mehr als die Stammbäume der Orang Utans sind nicht ausgestellt. Ein letztes Photo mit der „Queen Sisui“ auf dem Steg wollten wir noch machen, als sie sich plötzlich entschied aufzustehen und mich am Hosenbein zu packen! Der Griff mit beiden Händen war fest und schon bald hatte sie auch ihren Fuss um meinen Knöchel gelegt. Nun hörte sie nicht mehr auf unseren Guide Toris, wie noch kurz vorher, sondern sie wollte etwas zu fressen. Erst jetzt erzählte mir Toris, dass die Orang Utans gelernt haben, dass in den Rucksäcken der Rangers die Bananen zu den Futterstellen getragen werden und deshalb bei jedem Tourist auch Bananen in deren Rucksäcken vermutet werden. Das weglocken mit dem Rucksack von Toris und dann auch mit meinem nützte nichts. Dann packte Toris tatsächlich kleine Bananen aus (Rucksackprinzip für den Orang Utan wurde somit mal wieder bestätigt :-) ). Leider lockte Toris „Sisui“ aber nicht zuerst weg von meinem Bein bevor sie die Banane bekam, sondern schlussendlich hatte „Sisui“ die Banane und mich noch immer im Griff. Sie inspizierte meine Hosentaschen und öffnete sogar den Reissverschluss seitlich an meiner Hose :-) Mit ein wenig Geduld und ratlosem Toris schaffte ich es mich los zu winden ohne „Sisui“ wütend zu machen und mich in sicherem Abstand zu begeben. Nach dieser doch etwas zu naher Begegnung hüpften wir wieder auf unser Klotok und fuhren den mittlerweilen engen Fluss wieder hinunter.

In einer netten Nische banden wir uns für die Nacht an den Pflanzen am Ufer fest. Plötzlich hörten wir nicht weit von uns entfernt ein heftiges Spritzen. Etwa ein dutzend Proboscis Monkey wechselten von einem Ufer zum anderen indem sie hoch auf einen Baum stiegen und dann so nahe wie möglich zum anderen Ufer mit einen „Ränzler“ ins Wasser sprangen. Das Spektakel dauerte nur einige Minuten und dann war alles wieder „Jungel“-ruhig. Wir genossen bei Kerzenlicht und Sternenhimmel unser Nachtessen und schliefen unter dem Moskitonetz auf dem Deck. Verschiedene nächtliche Geräusche weckten uns immer mal wieder auf :-)

Bei der Fütterungsstation Pondok Tanggui wurden in den letzten 20 Jahren 35 Orang Utans ausgewildert. Wir wurden von „Sweet Hope“ am Ufer begrüsst und als die Ranger mit ihren lauten Rufen Richtung Futterplatz liefen, raschelte es kurz danach in den Baumwipfeln. „Mandolin“ und „Marco“, Mutter und Teenager, bekamen eine Zuckerrohrstange und am Futterplatz wurden dann die Bananen verteilt. Die beiden halbstarken „Kopra“ und „Lincoln“ hamsterten richtig und auch „Linda“ mit ihrem kleinen „Leonardo“ schien in Eile zu sein. Alles war dann klar, als „Dojo“ auf der Bildfläche erschien: Das dominante Orang Utan Männchen dieser Station!!! Dem wollen wir wirklich nicht zu nahe kommen. Der Ranger gab ihm in gebührendem Abstand Milch zu trinken und es scheint, dass er absichtlich „Dojo“ nie den Rücken zudreht.

Toris und Simon hatten sogar für eine Tarantel am Waldboden ein Auge und auch die fleischfressende Pflanze entging dem geübten Auge unseres Guides nicht. Auf dem Weg zurück zum Steg bekletterten wir noch einen Feuerausguckturm. Die Aussicht über den Jungel, respektive das vor Jahren gerodete Land als es noch nicht NP war faszinierte. Die Muskelkrämpfe nach dem Herunterklettern fanden wir dann aber nicht mehr so lustig. Au, das tat richtig weh! Wir sind so etwas von untrainiert!!! Zurück am Steg machten wir dann noch die Bekanntschaft mit „Marco“. Unsere Jungs liebten es ihn mit Bananen zu „zeukeln“. Ich wollte ihn eigentlich nicht auch füttern, nur wollte ich ihn auch nicht auf dem Boot haben und unbedingt verhindern nochmals einen Affen an meinem Hosenbein zu haben :-) Also Weg mit den Bananen und das Interesse an uns ist vorbei.

Die ganzen zwei Tage sausten immer mal wieder Speedboote an uns vorbei und die Wellen schienen uns fast um zu kippen, weil das Klotok für den engen Fluss so schmal und hoch gebaut ist. Simon erspähte dann sogar noch ein Süsswasserkrokodil, das er abknipsen konnte bevor wir die dritte und letzte Station, Tanjung Harapan besuchten. „Mickey“ und „Sandra“, zwei junge Orang Utans waren hier die Stars bis „Cica“ mit der kleinen „Chealse“ vorbei kam und alle Photokameras auf sich zog. Als dann aber die Äste anfingen zu rascheln und wir uns umdrehten, gingen wir alle ein paar Schritte zurück um dem „Yani“ Platz zu machen. Das dominante Männchen auf dieser Station übertraf alle Vorstellungen und als er dann auch noch anfing zu schreien, meinte Toris dies seien die Laute vor einer Paarung…. Es kam dann aber doch nicht zum Sex :-)

Mit diesen vielen wundervollen Erlebnissen und geknipsten Photos machten wir uns bei Sonnenuntergang auf den Heimweg zur „Sunrise“. Diese zwei Tage waren nun ein weiteres Highlight auf unserer Weltreise, das wir nie vergessen werden!!!

Den Abend rundeten wir dann noch mit einem Telefonat ans Geburtstagskind ab. Mami, alles alles Gute zu deiner Pensionierung!!! Deine neue selbstgehäkelte Decke und Schaal sollen dir auch in den nächsten Jahren kuschlige Abende bescheren :-)

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