Archiv für März 2011

Victoria – South Australia – Western Australia

Dienstag, 29. März 2011

10.2. – 2.3.2011

Vollbepackt mit unseren neuen Surfboards fuhren wir zurück nach Melbourne und wollten bei Angie noch kurz vorbeischauen, bevor wir weiter nach Torquay fahren. Leider hatte sie keine Zeit und so kamen wir schon gegen Mittag an und surften an der Back Beach mit hundert anderen Surfern und einem Seelöwen. Hätten wir gewusst, dass in den weiteren Tagen und Wochen das Finden von nur schon einer kleinen Welle schwierig wird, hätten wir dort ein paar Tage verbracht. Uns zog es aber weiter in den Westen und so kam eine grosse Durststrecke ohne Surfen…
Dafür genossen wir die atemberaubende Great Ocean Road. Dort sahen wir unseren ersten wilden Koala gefolgt von vielen weiteren. Sie posierten direkt neben der Strasse in Greifnähe. Die 12 Apostel, die Loch Ard Gorge, die Arc, die London Bridge und die Grotta – alles knipsten wir fleissig ab. Am Cape Nelson schauten wir uns den Leuchtturm an und weil die Migration der Wale noch nicht begonnen hatte, rechneten wir nicht mit einer Sichtung. Wir bewunderten einfach die weite See und plötzlich, wow, das war doch ein „Blow“! Wir liessen uns aufklären, dass die Blue Whales das ganze Jahr in der Nähe der Küste seien, im Gegensatz zu den migrierenden Southern Right Whales.
Dann überquerten wir wieder mal eine Staatsgrenze und mussten ein paar Zwiebeln in den Quarantäne Abfalleimer werfen. Nun in Südaustralien suchten wir als erstes die Brown Beach. Anstelle dieser Surferbeach fanden wir aber den Piccaninnie Ponds Conservation Park. Dort machten sich gerade zwei bereit mit dicken Wetsuits in den einen Süsswasser Pond zu springen. Das Tauchen und das Schnorcheln ist dort nur mit Erlaubnis und innerhalb einer vorgegebenen Zeit erlaubt. Wir entschlossen uns deshalb einfach zum Ewens Pond CP zu fahren. Weil dort keine Restriktionen herrschen, beschnorchelten wir die 3 Teiche mit ihren 1 – 1.5m tiefen Verbindungskanälen. Es war A-kalt und unsere Surferwetsuits eindeutig zu dünn. Zum Glück ohne Krampf, aber mit tollen Unterwassereindrücken dieser üppig überwachsenen Landschaft mit grandioser Sicht, stiegen wir nach ca. 20 Minuten wieder aus. Diese für uns neue Süsswasserwelt ohne viele Fische, aber mit Unteransicht einer ganzen Entenfamilie, war herrlich. Wir mussten unseren Kopf kurz aus dem Wasser strecken, um die vielen kleinen und grossen Schwimmfüsse aus der Schnorchelperspektive einzuordnen :-)
Beim bekannten Blue Lake von Mt. Gambier hielten wir auch an und waren von diesem intensiven Türkis überrascht. Bei der Touristen Information schauten wir auch noch kurz vorbei, denn unsere nächste Destination war der Coorong NP und dort muss man die Gezeiten beachten, wenn man auf dem Strand fahren will. Bewaffnet mit Gezeitentafel fuhren wir in diesen National Parkt mit vielen Dünen und wenigen Möglichkeiten mit einem 4×4 auf den Strand zu gelangen. Wir freuten uns schon auf mehrere Kilometer Strandfahrt und einem idyllischen Campingplatz in den Dünen ganz für uns alleine. Tja, alles kam anders: Wir fanden nach ein wenig Anlaufschwierigkeiten zwar ein Crossing durch die Dünen um auf den Strand zu fahren, nur bereits beim Durchqueren dieses Crossings war unser Beauty fast schon an seine Grenzen gestossen. Nun am Strand war der Sand aber noch immer sehr weich und wir mussten weiter Luft aus den Reifen lassen (bis runter auf 15 psi = 1,0 bar). Wir beachteten die Erste Regel für das Fahren auf Sand: Don`t panic! Weil wir weit und breit keine Campingbucht für die Nacht finden konnten, keine Menschenseele anzutreffen war und die Gezeit bereits wieder am steigen war, beschlossen wir bei der 1. Möglichkeit besser wieder weg vom Strand zu fahren. Dummerweise war aber das nächste Crossing viel zu steil für uns und wir hätten uns nur in diesem weichen Dünensand eingebuddelt. Ein Crossing weiter (10km) war dann bereits unsere letzte Chance um weg vom Strand zu kommen und deshalb flitzte Simon mit Anlauf und viel Feingefühl für die nötige Kraft auf die Räder ohne diese durchzudrehen auf die Düne. Mit angehaltenem Atem und zitternden Knien überquerten wir die Düne und erreichten erleichtert wieder die befestigte Strasse. Ohne Meersicht hinter der Düne, aber in Sicherheit vor dem steigenden Wasser verbrachten wir den Abend und eine gemütliche Nacht :-)
Den ersten Wombat, leider tot am Strassenrand, und viele hundert Pelikane sahen wir am nächsten Tag bevor wir den NP wieder verliessen und weiter Richtung Adelaide fuhren. Am Abend machten wir dann die Bekanntschaft mit Debora und Maurice, zwei Schweizern mit voll ausgerüstetem Toyota Landcuiser Troopcarrier. Sie haben den sogenannten Grossen Bruder von unserem Beauty angeschafft und dementsprechend erzählten sie uns von ihren abenteuerlichen Reisen durch das Outback. Bei einer früheren Reise durchquerten sie sogar die Simpson Desert, die grösse Sandwüste nach der Sahara! (Giovanni, wir wünschen dir viel Spass mit diesem genialen Auto, das wir dir für deine kommenden Abendeuter in Australien vermitteln konnten.)
Bei der Fitzgerald Bay im Norden der Eyre Peninsula wollten wir dann eigentlich schnorcheln gehen, denn es sei dort ganz schön. Nur hörten wir in den Nachrichten von dem Taucherunfall mit den 2 Weissen Haien im Süden der Eyre Peninusla… die Lust auf Schnorcheln und Surfen in Südaustralien verging uns…
Dafür besuchten wir Ann und Bernie in Minipa, welche wir bei Lake Eyre vor 4 Monaten abschleppten. Wir wurden herzlich Empfangen und gleich zum BBQ im Bowling Club mitgeschleppt. Allen „mussten“ wir unsere Reiseerlebnisse erzählen und unser Aussie-Slang Wortschatz wurde verbessert. Nach einem gemütlichen Abend schliefen wir wieder einmal in einem richtigen, bequemen Bett. Nichts gegen unser Dachzelt, die Matratze ist aber einfach nicht ganz so bequem wie zu Hause. Nach einem üppigen Frühstück besuchten wir mit unserem Privatguide Ann den Pildappa Rock, den sogenannten „Wave Rock“ von Minipa. Er ist kleiner als jener bei Perth, dafür kann man hinauf klettern. Die Aussicht von oben ist super! Danach gingen wir Bernie anfeuern beim Loan Bowl. Das spielt man auf einem Rasen, welcher sogar in sehr trockenen Regionen immer grün ist. Die Kugeln sind auf zwei Seiten abgeflacht und werden nicht wie beim Botscha geworfen sondern mit einer speziellen Wurftechnik mit Effe gerollt. Nachdem Bernies Team gewonnten hatte, versuchten wir unser Glück mit Ann als Trainer. Anfangs waren unsere Kugeln noch mehrere Meter vom Jack, kleine weisse Kugel wie beim Botscha, entfernt, aber mit ein wenig Übung schafften wir beide unsere Kugeln mit kleinem und grossem Effe innerhalb von cm`n zu platzieren :-) Nein, nein, dies wir nicht unser nächster Sport, keine Angst!
Am nächsten Tag machten wir uns dann auf den Weg in den Gawler Ranges NP. Wir besuchten die Organ Pipes und machten Bekanntschaft mit hunderten Spinnen auf dem nicht oft bewanderten Weg. Auf der 4WD Strecke zu unserem Campingplatz im nirgendwo sahen wir wieder Wildlife: die grossen Kangurus hopsten vor uns auf der Strasse und Emus erspähten wir in der Ferne. Den Abend liessen wir mit einer Solardusche, gebratenem Känguru, mhh ist das fein, und ein paar Zeilen aus unseren Büchern ausklingen.
Vor dem nächsten und letzten NP in Südaustralien machten wir noch den Abstecher zur Cactus Beach beim Sinclair Point. Dies ist eine der bekanntesten Surfbreaks überhaupt. Gegen unsere Erwartung waren die Wellen nicht sehr gross, aber die Haigeschichten gerade in dieser Bucht hielt uns davon ab ins Wasser zu springen.
Im Nullarbor NP war es dann wieder einmal so weit, dass wir Zeuge wurden von Regen in einer Region, wo es das letzte Mal vor 25 Jahren regnete! Zum Glück hielten uns aber keine Überflutungen auf und wir fuhren im trockenen die karge Landschaft ohne Bäume entlang. Der Quarantäne Checkpoint war nun hier das erste Mal „bemannt“. Scheinbar ist Westaustralien von vielen eingeführten Krankheiten und Tieren noch wenig betroffen und dies soll auch so bleiben. Viele halten sich nämlich nicht an die Regulationen und verfrachten somit mit eingeführten Früchten und Gemüse die lästigen Krankheiten über den ganzen Kontinent.
Es folgte der längste gerade „Stretch“ in Australien mit 146.6km! Nach viel fahren in den letzten Tagen erreichten wir Esperance mit seinen vielen wunderschönen Stränden. Bei der Lucky Bay im Cape le Grand NP quartierten wir uns ein und sahen schon beim ersten Standspaziergang die Kängurus am Strand. Beim morgendlichen Joggen an diesem weissesten Strand in Australien sahen wir sie wieder. Vor unserem Wegfahren machten wir noch die bekanntschaft mit Maren und Bene, einem jungen deutschen Päärchen, welches hin und weg war von unseren kurzen Erzählungen unserer Segelreise über die Meere. Wir halfen ihnen mit ein wenig Benzin aus und fuhren nichts ahnend weiter.
Nun fing die Wellensuche wieder an: Die Twilight Bay, voted „most popular beach in WA“, Observatory Beach, Ten Mile Beach… alles nur mickrige Wellen und somit nichts zum Surfen :-( , dafür schön zum Baden. An der Quagi Beach waren auch keine Surferkonditonen aber dafür ein netter Campingplatz und ein freundlicher Nachbar, der uns von seinem gefangenen Fisch abgab. Nach einem gemütlichen Morgen und einem Fischsnack verbrachten wir einen erholsamen Tag ohne Autofahren am Strand. Um unsere gefundene Angelrute endlich auch zu nutzen, besorgten wir uns eine Leine und versuchten unser Glück an der Normans Beach. Tja, war wohl nix, vielleicht das nächste Mal. Unser Nachbar mit seinem krummen Zelt war anfangs nicht gerade gesprächig. Er tat mir leid so allein in seinem Auto sitzend und auf Wasser starrend. Das Beste an unserer Weltreise ist nämlich, dass wir unsere ganzen Abenteuer und Eindrücke zusammen erleben und teilen. Als er dann doch noch gesprächiger wurde, wollte er nicht mehr aufhören uns über unsere Reise auszuquetschen. Seine Geschichte von mehreren Jahren als Leuchtturmwärter auf einer kleinen einsamen Insel vor Albany war auch sehr interessant.
In Albany machten wir dann mal wieder einen Grosseinkauf und schlenderten durch die Shoppingstrassen. Wir fanden sogar den Backpackers, in welchem wir, Meli, Marietta, Fabienne und Helen, vor 10 Jahren übernachteten :-) Es ist doch immer wieder toll zu sehen, wie sich die Sachen verändert haben.
Im Cosy Corner, einem windgeschützten Campingplatz mit Strand, scheinbar auch gut zum Surfen trafen wir wieder Maren und Bene. Weil wir im nu wieder in Erzählungen von unserer Segelreise schwelgten verabredeten wir uns dieses Mal für den Abend um uns gemütlich und nicht im Stehen zu unterhalten.
Weil Bene auch auf Wellensuche war, trafen wir sie noch an verschiedenen Stränden. Leider war aber keiner dabei, welche vernünftige Wellen bot. Wir besuchten dafür die zauberhaften Green Pools und die Elephant Rocks. Am Abend trafen wir uns beim Camping an der Parry Beach und verbrachten einen gesprächigen Abend über unsere und ihre Reise und die kommenden Abenteuer. Und wer weiss, vielleicht treffen wir uns ja wieder irgendwo….