Archiv für Oktober 2010

Top End: Litchfield NP – Darwin – Kakadu NP

Sonntag, 31. Oktober 2010

3.10. – 12.10.2010

Zur Abwechslung fuhren wir mal nach Norden. Wir besuchten den touristischen Katherine Gorge. Auf der 3-Gorge-Cruise genossen wir die imposante Schlucht und erfrischten uns im kalten Fluss, laut Guide, ohne die gefährlichen Salzwasser-Krokodile (Salties). Die Süsswasser-Krokodile (Freshies) seien harmlos. Sobald man diese sieht, einfach nicht näher schwimmen oder gehen und dann verschwinden sie meist selber, weil es scheue Tiere seien. Bei den Salties habe man gar nicht Zeit um zu reagieren… Man soll deshalb besser die Warnschilder beachten, die bei jedem kleinsten Wasserloch stehen. Fragt man aber einen Australier, wie gross die Gefahr hier zu dieser Zeit wirklich ist, dann bekommt man immer die Antwort „No Worries“, dh. soviel wie keine Angst, passiert schon nichts. Wie auch immer, ohne Krokodilsichtung kamen wir zurück zum Camping und genossen den Rest des Tages am wunderschönen Pool mit kleinem Wasserfall und Wasserdüsen, welche hier als „Spa“ bezeichnet werden. Am nächsten Morgen fuhren wir an den zweiten touristisch erschlossenen Punkt im Nitmiluk (Katherine Gorge) NP, den Edith Falls (Leliyn). Ein riesiger Pool lud zum Schwimmen ein. Wir quaselten mit zwei Australiern. Sie kommt aus Adelaide und er aus Alice Springs. Sie erzählten uns von ihren Erlebnissen mit den Aboriginal People und die Schwierigkeiten dieser in der heutigen Zeit. Durch die „in Besitznahme“ von Australien durch die Weissen wurde ihnen die Lebensgrundlage genommen. Der Platz zum Jagen wurde kleiner und kleiner und die Gebiete für ihre spirituellen Zeremonien von Touristen im Sinne der Weissen Regierung in Beschlag genommen und viel Geld damit verdient. Sie seien nicht einfach ein friedliches Volk: wer in dieser je nach Region sehr kargen Gegend überlegen will, muss kämpfen. Ihre Kultur und Sitten sei sehr komplex und leider oft von uns Weissen nicht verstanden und nicht respektiert. Sie leben mit dem „Pay-Back“, ähnlich der Blutrache in europäischen/asischen Religionen, was scheinbar noch immer wieder Probleme verursacht. Verschiedene Ansätze zur Verbesserung des Zusammenlebens werden von der Australischen Regierung versucht, jedoch scheint keine wirkliche Lösung in Sicht. Nach dieser kleinen Geschichtslektion machten wir uns auf unseren Weg in den Litchfield NP.

Die 4WD Strecke von Süden her, genau das Richtige für unseren Beauty, führte uns durch verschiedene Creeks und dem bekannten Reynold River Crossing. Wir wurden zum Glück vorgewarnt auf der Rechten Seite, wenn von Süden kommend, zu bleiben, denn auf der linken Seite bleiben immer mal wieder auch sehr erfahrene 4WD-Fahrer stecken. Wie Profis hielten wir vor dem Creek an, liefen mit unseren Crocs und Flip Flops durch das Wasser um die Tiefe zu prüfen. Zum Glück war das Wasser klar und keine Krokodilschilder zu sehen :-) Ohne Probleme überquerten wir den Creek und sind ein paar Photos reicher. Der nächste Creek war dann nicht mehr so klar und wir beschlossen ohne vorheriges Auskundschaften durch zu fahren. Als wir danach das Krokodilschild auf der anderen Seite sahen, fing unser Herz ein ganz klein Wenig schneller an zu schlagen und wir waren froh uns gegen das Durchwaten entschieden zu haben. Den nächsten Halt machten wir bei den Wangi Falls. In Mitten des grossen Pools konnten wir auf einer Sandbank stehen und erblickten tausende Flying Fox (Flughunde, ähnlich wie Fledermäuse) an einem der grossen Bäume beim Lookout. Auch diese wurden abgeknipst und weiter ging die Reise zu den Tolmer Falls, welche wir nur aus der Ferne betrachten konnten, denn dort ist eine seltene Kolonie dieser Flying Foxes, welche geschützt wird. Einige Kilometer düsten wir mal wieder auf unbefestigter Strasse zu der imposanten „Lost City“. Von dem Buley Rockhole mit seinen tausenden Schwimmlöchern wurden wir angenehm überrascht. Wir sahen nun schon so viele Wasserfälle mit Pools und mussten feststellen, dass die Australier jedes einzelne wunderschön finden und alle sind einen Tagesausflug wert… Auf jeden Fall genossen wir diese idyllischen Steinlöcher mit dem klaren kalten Wasser. Mit neuer Zuversicht der nächste Wasserfall sei auch eine Ausnahme und tatsächlich richtig spektakulär fuhren wir weiter. Tja, bevor wir vom Parklplatz losgehen konnten, mussten wir den Ameisenalarm auf einem Rucksack im Auto beseitigen. Irgendwie haben die kleinen Biester sich auf dem Rückenteil eingenistet. Mit viel Chemie und wenig Rücksicht wurden sie entfernt. Zum Glück waren sie nur aussen und nicht auch im Rucksack zu finden. Dann ging es los zu den Florence Falls. Die waren ganz nett und wir mussten wieder mal feststellen, dass wir einfach schon sehr viel um nicht zu sagen zu viel auf dieser wundervollen Welt gesehen haben und somit uns nicht mehr alles aus den Socken, ach nein Flip Flops haut :-)

Auf dem Weg nach Darwin besuchten wir den Crocodylus Park & Zoo, den uns die beiden Australier von Adeleide und Alice empfohlen haben. Dort wird Krokodilforschung und kommerzielle Zucht für Fleisch und Leder betrieben. Bei der Fütterung sprangen die Tiere bis zu 2m aus dem Wasser und unsere Angst resp. Vorsicht gegenüber diesen kraftvollen Kreaturen hat sich bestätigt. Ein kleines Kroki mit zugebundenem Maul durften wir in die Hand nehmen. Wer von Euch schon einmal eine Schlange angefasst hat weiss, wie es sich anfühlt für die anderen, die Haut ist fein und geschmeidig mit harten Schuppen. Von Darwin selber waren wir angenehm überrascht. In Erinnerung war die Stadt viel kleiner. Um jederzeit schwimmen zu können, wurde extra ein Wavepool, ähnlich dem Wellenbad in Laguna in Deutschland oder dem Alpamare bei Pfäffikon, gebaut. So muss niemand von den gefährlichen Box Jellyfish (Würfelquallen) oder den gelegentlich gesichteten Salties Angst haben. Leider verpassten wir den bekannten Mindil Beach Sunset Market, aber dafür besuchten wir den Parap Village Market mit den vielen kulinarischen Verpfelgungsmöglichkeiten und Souvenirs „en masse“. Auch das Museum & Art Gallery of the Northern Territory besuchten wir. In grossen Räumen schön präsentiert, das ist für Australien nicht typisch, sahen wir Carvings (Steingravuren) von Tiwi Island, Bark Paintings (Malerei auf Baumrinde) vom Arnhem Land und Dot Paintings (Malereien mit Punkten) von der Wüste. Bereits nach 3 Tagen hatten wir unser Shoppingfiber gestillt. Cairns war übrigens die letzte Stadt mit Shopping Möglichkeiten, ganze 2820km entfernt :-) Wir machten uns mit viel Mückenspray (die Chemiekeule ist das einzig wirksame gegen diese Biester) und neuen Kleidern mit Langen Ärmeln und Hosen auf den Weg zum bekannten Kakadu NP.

In Ubirr bewunderten wir die wunderschöne Gunbim (Aboriginal Rock Art) und die phantastische Aussicht über das Arnhem Land, welches nur mit Spezialbewilligung besucht werden darf. Leider waren wir genau 2 Tage zu spät um bei den Rundgängen mit den Rangers die verschiedenen Geschichten und Erklärungen über die Gunbim, das Land und die Aboriginal People zu hören. Pünktlich um 5 Uhr begann es zu Schutten. Zum Gück wissen wir das und haben unsere Dachstube bereits aufgebaut und das Leck im Dach mit Leim geflickt. Wir sollten also kein Wasserbett mehr bekommen. Am Morgen wurden wir dann durch das Surren von 1′000enden von Moskitos geweckt :-( Unser Deet wurde grosszügig angewendet und wir machten uns ohne Frühstück auf den Weg. Auf der sicheren Plattform beim Crossing zum Arnhem Land beobachteten wir 4WD-Fahrer, welche 50m neben einem Saltie den Fluss durchquerten und nicht einmal mit der Wimper zuckten (60cm tiefes Wasser mit ziemlich starkes Strömung). Wir fuhren die sichere Strasse ohne Überschwemmungen zum nächsten Highlight des Parks, die Nourlangie. Dort konten wir die Höhlen anschauen, welche die lokalen Aboriginal People vor tausenden Jahren bewohnten und die Malereien an den Wände brachten. Wir besuchten das informative Wanadjan Aboriginal Cultureal Center. Durch die vor ein paar Tagen begonnen kurzen Gewitter um meistens 5 Uhr wussten wir, dass die Regenzeit nicht mehr weit weg ist. Der Jim Jim und die Twin Falls sollen nun wieder ganz wenig Wasser führen, jedoch besteht die Gefahr auf den ungeteerten Strassen stecken zu bleiben. Deshalb entschlossen wir wieder nach Katherine zu fahren und uns über die Strassenverhältnisse der 4×4 Tanami Road zu informieren. Diese sollte uns nämlich von dem Purnululu (Bungle Bungle) NP in Western Australien (WA) in das Red Center nach Alice Springs führen (Mitten durch die Tanami-Wüste). Leider erfuhren wir, dass durch die in diesem Jahr sehr früh begonnen Build-ups, welche die Ankunft der Regenzeit ankündigen, die Strasse schon heftig zerfahren ist. Zusätzlich haben die Road Trains dieser über 1000km langen unbefestigten Holperstrasse zugesetzt. Dazu kam noch, dass die Wahrscheinlichkeit durchaus bestand, dass wir die Purnululu gar nicht besuchen können, weil auch dort der Regen den unbefestigten Strassen zu gesetzt hat (und wie wir später erfuhren kurz zuvor sogar die Leute wegen des Regens aus diesem Park evakuiert worden sind). Schweren Herzens entschieden wir uns deshalb über den Explorer’s Way, welcher ein ordinärer Highway mit Höchstgeschwindigkeit von 130km/h ist, nach Süden zu fahren. An dieser Stelle möchten wir aber festhalten, aufgeschoben ist nicht aufgehoben… :-)

Outlander’s Way: Townsville – Tennant Creek

Dienstag, 12. Oktober 2010

18.9 –2.10.2010

Wir kämpften um die Rücknahme unserer „Black Disaster“ durch den Händler, denn die Probleme bestanden seid dem 3. Tag, sprich wir beharrten auf der versprochenen Garantie. Schlussendlich bekamen wir nicht ganz alles zurück, aber doch einiges mehr als wir uns erhofft haben und kauften uns mit diesem Geld, plus ein wenig mehr, ein jüngeres Auto, das uns (hoffentlich) sicher durch das Australische Outback bringen wird. Wir wurden in Townsville tatsächlich fündig und reisen nun mit unserem weissen, mit Frangipani geschmückten Toyota Landcruiser Prado und „luxuriöser“ Dachstube in die verschiedensten Ecken von Autralien.

In nur 6 Tagen fuhren wir von der Ostküste in Queensland bis ins Outback nach Tennant Creek im Northern Territory. Auf dem Weg besuchten wir den schönen Porcupine Gorge und sahen unser erstes Emu mit seinen zwei Kleinen :-) Ebenfalls fuhren wir durch Schwärme von Heuschrecken, die schon fast den Himmel verdunkelten. In Hughenden begann der Dinosaurier Trail und besuchten hier erste Dinosaurier Museum und schüttelten der hier ausgestellten Urechse die Hand. Vom modern und informativ gestalteten Kronosaurus Corner in Richmond lernten wir die Geschichten der hiesigen Dinosaurier und deren Fossilien. Wir sahen den sensationellen Fund des Kronosaurus queenslandicus (grösste Meeresechse). An Silvia’s Geburstag fuhren wir von Julia Creek nach Mount Isa und gönnten uns am Abend ein für dieses „Outback Kaff“ ein 5-Sterne Dinner mit romantischem Ausblick auf die Minenhochöfen (ein grosses Dankeschön an dieser Stelle für alle Geburtstagswünsche). Wir besuchten diese am nächsten Tag mit einer mehrstündigen, informativen Tour und einem Guide mit Aussie-Slang, so dass wir (nicht) sehr viel schlauer wieder an die frische Luft kamen. Auf der Rest- Area in der Pampa zählten wir, anstelle den Schäfleins, die Road Trains (riesige Lastwagen mit bis zu 5 Anhängern) zum Einschlafen. Nach 1800km kamen wir in Tennant Creek gerade rechtzeitig für das Barkly Gold Rush Campdraft mit dem Cattle-Bash an. Der Stockman (australische Cowboy) versuchte dabei auf seinem/ihrem Pferd ein Kalb von der Herde zu trennen, dieses durch ein Tor, um zwei ca. 50m entfernte Pfosten, einmal mit und einmal gegen den Uhrzeigersinn, und schlussendlich über eine Ziellinie zu scheuchen (ohne dass man vom Pferd fällt, wie einer das geschafft hat). Das interessanteste an diesem Anlass war, dass alle ihre „Cowboy-Stiefel“ mit Sporen, lange blue-Jeans und kariertes Langarmhemd mit „Cowboy-Hut“ trugen. Der ganze Anlass war nicht ganz für Besucher ausgerichtet. So kam es, dass wir die kleine Tribüne wegen den Rindern verlassen mussten um von ihnen nicht ganz eingestaubt zu werden. Diese wurden nämlich auf einen Road Train geladen und „frische“, noch nicht herum gescheuchte Tiere, wurden in die Gehege rund um die Tribüne gebracht. Wir standen wie bestellt jedoch nicht abgeholt mit noch zwei anderen Touristen Mitten auf dem Parcours-Gelände sprich im Visier aller Anderen. Wir hofften einfach die nächste Runde fängt nicht an bevor wir nicht wieder auf „unsere“ sichere Tribüne sitzen durften. Zum Glück war das Rodeo sowieso erst auf den Abend geplant, so dass wir und nicht vor wütenden Bullen fürchten mussten.

Nun sind wir im Outback angelangt. Die Erde ist manchmal rot oder einfach braun, karg oder Wald bis zum Highway und oft viel grüner als wir uns es vorgestellt haben. Wichtig ist uns vor allem, dass wir mit unserem klimatisierten Frangipani-Beauty und Dachstube unsere Reise geniessen und bisher nicht bei einem Mechaniker verweilen mussten :-) Auch haben wir kein Känguru überfahren, nur im Woolie, sprich Migros, gekauft und mit einer Portweinrahmsauce mit getrockneten Tomaten schmecken lassen.

Weiter geht´s in den Litchfield- und Kakadu-Nationalpark. Auch werden wir Darwin nicht auslassen. Dazu aber mehr im nächsten Artikel…