Archiv für Juni 2011

Thursday Island – Ambon – Banda Naira

Donnerstag, 09. Juni 2011

24.5. – 8.6.2011

Pünktlich mit der auslaufenden Tide legten wir in Thursday Island am Nachmittag ab und segelten Richtung Ambon, die Hauptstadt der Provinz Maluku. Am ersten Abend überraschten uns unzählige Libellen und Nachtfalter, die in einer Gewitterwolke vom Festland Australien zu uns gepustet wurden. Die eher unangenehmen Passagiere, welche den Ausgang nicht selber fanden, beförderten wir einzeln an Deck und mit einem kräftigen Eimer Salzwasser schwemmten wir sie von Bord.

Auf der Überfahrt fischten wir einen Gelbflossen-Tuna aus der Banda See und spielende Delphine kamen vorbei. Mit Etmalen von 135 – 166sm (Strecke pro 24h) waren wir flott unterwegs und kamen bereits nach 7 Nächten an. Wir verzögerten unsere Ankunft in Ambon sogar, damit wir nicht Mitten in der Nacht in diese neue Stadt mit vielen Fischern und anderem komischen schwimmenden Hindernissen im Wasser ankommen. Per Funk konnten wir die Immigration nicht erreichen um genaueres über das Einreiseprozedere zu erfahren, deshalb schliefen wir zuerst ein bisschen. Dann kam nach ein paar Stunden auch tatsächlich ein Typ von der sogenannten Touristen Information. Mit seiner Hilfe fanden wir dann auch die verschiedenen in der ganzen Stadt verstreuten Ämter um uns ordentlich anzumelden und bekamen einen ersten Eindruck von Ambon. Wie wir schon vom Schiff aus feststellten, ist der Plastik das vorherrschende Problem. Überall liegt er herum resp. schwimmt im Wasser. Die Leute sind nett und hilfsbereit, wenn sie uns auch häufig nicht verstehen, ein Lachen bekommt man immer. Als wir wieder zurück auf der Sunrise waren, eröffneten uns Maren und Bene, dass sie uns bereits hier verlassen wollen. Etwas enttäuscht, denn die nächsten 2 Wochen wären bestimmt entspannter und lustig geworden, nahmen wir die Entscheidung zur Kenntnis und passten unsere Pläne der neuen Situation an. Für einen kurzen Abstecher segelten wir nach Pulau Tengah, eine der drei Inseln an der Westküse von Ambon. Als wir abrupt langsamer wurden inspizierte Simon angebunden mit dem Lifebelt und bewaffnet mit der Taucherbrille das Unterwasserschiff. Einer der unzähligen Reis-Säcke im Wasser hatte sich in unserer Schraube verfangen und zum Glück durch Drehen an der Welle im Schiffsinnern und ein und auskuppeln wieder gelöst. So sausten wir unserem Ziel entgegen und verbrachten 2 Tage mit Schnorcheln, Tauchen, Spielen und lustigen Stunden am Ankerplatz mit Steilwand. In Indonesien wird es leider nicht einfach(er) mit Ankern, denn die meisten Inseln sind vulkanischen Ursprungs, sprich kommen von 1000en von Metern innerhalb von wenigen Metern bis zur Wasseroberfläche. Da bleibt nicht viel Platz zum Ankern. Vorallem wenn dann noch die Gezeiten und somit die Strömung ändern und ein Schwojkreis beim Ankerplatz einberechnet werden sollte :-)

Am nächsten Morgen erfuhren wir auf jeden Fall, dass wir an diesem Ankerplatz wegen einer grossen Koralle an Ort und stelle blieben… Nach einer kleinen Geduldsprobe waren wir wieder frei und segelten zum Ankerplatz vor dem kleinen Dörfchen Tawiri beim Flughafen von Ambon. Der Ankerplatz hielt dann beim 4. Versuch bis nach dem Nachtessen :-( Als unser Ankeralam losging, hüpften wir alle auf und suchten im Dunkeln nach einer der zwei Bojen von den Tankschiffen. Bei stockdunkler Nacht wurden wir aber nicht fündig und deshalb fragten wir bei einem einheimischen Fischerboot, ob wir längsseit gehen dürfen. Mit Händen und Füssen verständigten wir uns und waren schlussendlich froh doch noch einen „Schlafplatz“ gefunden zu haben.

Am nächsten Morgen hüpften wir mit Maren und Bene über die einheimischen Boote bis wir den Steg erreichten. Diese Fischerboote sahen aus wie Piratenschiffe, einfach farbig und nette Leute darauf. Wir verabschiedeten die Beiden, wünschten ihnen eine schöne Zeit auf Bali und eine gute Heimreise nach Deutschland. Es war toll mit euch auf der Sunrise. Vielen Dank für eure Hilfe beim Flottmachen und das gemeinsame segeln der über 2000sm mit diversen Nachtschichten!

Weil Simon in der Nacht eine riesige Ratte auf dem Nachbarschiff sichtete, liessen wir keine Zeit verstreichen und legten schnellstmöglich ab, mit Kurs nach Banda Naira. Gegen Wind und Welle kreuzten wir zwei Tage und Nächte tapfer auf bis wir 55sm vor dem Ziel die „Schnauze“ voll hatten und den Motor einschalteten. Weiteres Kreuzen hätte über 100sm und somit mindestens eine weitere Nacht bedeutet.

Wir waren dann ganz überrascht, als wir zwei Segelschiffe vor Banda Naira sichteten. Prompt meldete sich der erste auch schon per Funk um uns einzuweisen. Anker ab auf 24m am Steilhang und mit zwei Heckleinen machten wir uns rückwärts an Palmen fest. Einen zweiten Anker brachten wir mit dem Dinghy seitwärts raus, weil wir der Sache nicht ganz trauten. Noch während dem Anlegemanöver wurden wir zum Nachtessen bei ABBA, dem hiesigen Mann für Alles eingeladen. Viele wertvolle Tips bekamen wir von unserem indonesisch sprechenden australischen Nachbarn auf dem Katamaran Moontan und weitere Hilfe für die Reise bis Thailand von dem Neuseeländischen Ehepaar auf der Solewn. Wir nutzten die Sonnenstunden vor Anker um die Sunrise „zu trocknen“ und den bereits wieder gebildeten Schimmel zu entfernen. Für das Nachtessen gingen wir dann doch noch an Land. Das Haus von Abba ist sagenhaft, das Nachtessen war richtig spitzenmässig und kostete nur $6. Abba zeigte uns eine kurze Doku von BBC über Banda, die weltbekannten Gewürzinseln und deren Geschichte. Sehr müde und glücklich in diesem Paradies angekommen zu sein, gingen wir auf die Sunrise zurück.

Am nächsten Tag segelten die anderen 2 Yachten weg, um hoffentlich doch noch nach Australien zurück zu kommen. Eigentlich sind sie schon ein bisschen spät dran, denn die Winde haben bereits gedreht. Es sei aber einfach zu schön gewesen in Indonesien…

Wir planten mit Abba und den 2 Gästen in seinem Guesthouse eine Muskatnuss-Farm am nächsten Tag zu besichtigen. Pünktlich um 9h fing es aber heftig an zu regnen. Deshalb verschoben wir alles auf einen Tag später und schauten uns die Schweizer Dokumentation „Fernweh“ mit Mona Vetsch an. Wir konnten es kaum glauben, diese Doku kannten wir! Damals haben wir davon geträumt diese idyllische Insel eines Tages zu besuchen. Jetzt sitzen wir sogar im Wohnzimmer von Abba, der von Mona Vetsch interviewt wurde. Es ist einfach super! Später ohne Regen, besichtigten wir die Insel dann auf eigene Faust. Verschiedene Überreste der Besetzung der Inseln im 17 Jahrhundert durch die Holländer sind noch sichtbar. Die Abflusskanäle sind soweit noch intakt, dass es hier für ein indonesisches Dorf sehr sauber ist. Speziell wie jetzt in der Regenzeit sind diese Kanäle sehr wertvoll. Auch liegt hier viel weniger Abfall resp. Plastik herum. An der Hauptstrasse sind auf beiden Seiten kleine Läden, die alle das Gleiche anbieten. Das Essen haben wir natürlich schon ausprobiert. Das Hühnchen mit Satay Sauce war hervorragend und auch unser Magen rebellierte nicht :-)

Nach einem Regentag kam dann auch ein Sonnentag und wir besuchten die Muskatnuss-Farm auf der Nachbarinsel Banda Besar. Riesige Mandelbäume wurden dazumals von den Holländern gepflanzt um den Muskatnuss-Bäumen Schatten zu spenden. Mit einem langen Stab mit Körbchen am Ende zeigte man uns wie die Nüsse gepflückt werden und wir versuchten es selber. Ebenfalls erfuhren wir etwas über den Anbau von Gewürznelken, Zimt und Mandeln. Ein halbes Kilo reicher an Muskatnuss und viele Inseleindrücke später fuhr uns das einheimische Boot wieder zurück nach Banda Naira. Wenn wir eine Erfischung brauchen, hüpfen wir immer mal wieder vom Boot ins Wasser und Morgen ist der erste Tauchgang geplant, falls die Sonne wieder scheint. Heute nützen wir den Regentag um unsere Wassertanks mit unser eigens gebastelten Auffangkonstruktion zu füllen. Bei einem Platzregen müssen wir uns beeilen, dass nicht alles überläuft und dazwischen beim Nieselregen können wir es wieder gemütlicher nehmen :-) Bisher haben wir schon 210 Liter Trinkwasser und mindestens noch mal soviel Brauchwasser aufgefangen. Noch 50 Liter und unsere Trinkwasser-Tanks sind wieder voll.

Jetzt gönnen wir uns einen Hanlua Kenari Snack Khas aus Mandeln von Band Naira und geniessen den Tag hier im Paradies :-)